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Dienstag, 12. Februar 2013

Fasching mal wieder


Meine Kinder sind toll, ganz aktuell, weil immer nur einer von beiden ein aufwendiges Faschingskostüm haben will. Das kleine Mädchen hatte in vollendeter Eigenregie beschlossen, seine schwarze Kuscheljacke, eine enge schwarze Hose und einen schwarzen Rock anziehen zu wollen, nur einen Schwanz an die Hose, Ohren und Schminke zu brauchen und dann Katze zu sein. Aus lufthärtendem Ton hat sie sich noch eine Maus geknetet, ihr Bruder hatte ihr eine Halskette aus IKEA-Mäusen vorgeschlagen, aber die hätten ihr leidgetan beim Auffädeln. Sie ist auch als Katze überzeugter Veggie.

Miss Magacuki: Dann muss der Schwanz doch aber an den Rock und nicht an die Hose ... 
Kind: Dann bin ich eben ein Kater. Ohne Rock.

So sei es. Im Kaufhof lag bei den Strickproben etwas schmales, flauschig-schwarzes, vielleicht ein schmaler Schal, aber ganz sicher ein perfekter Katerschwanz. Daher die Idee, den Schwanz zu stricken. Mit der großen Strickliesl. Und Fusselgarn. Ganz blöde Idee. Im zweiten Versuch wurde aus einem halben Knäuel Brazilia (Schachenmayr smc) und vier Nadeln Gr. 3,5 (Nadelspiel, 6/6/8 rechte Maschen) ein passabler, flauschiger Katzenschwanz. Für ein realistisch-unregelmäßiges Aussehen lasse man ungefähr auf halber Höhe zweimal kurz hintereinander je eine Nadel rausrutschen, versuche, alle verlorenen schwarzen Maschen im Fransendickicht bei Kunstlicht wiederzufinden und zurück auf die Nadel zu fummeln und spreche ein energisches **''§$"! Das sollte funktionieren.

Die Ohren sind eine Lage dicker schwarzer Filz und eine Lage ganz dünner lachsfarbener Bastelfilz übereinander. Mir gefiel besonders, dass sie die rosa Teile anders geschnitten sind als die schwarzen, nicht nur kleiner. Meine Maschine näht das ohne zu murren aufeinander, aber man kann auch kleben. So, Ohren mit ein paar Stichen an die Kapuze genäht, Schwanz an die Hose gehext, fertig.


Das mittlere Kind recycelte umweltgerecht den geliebten Yeti vom vorigen Jahr und verkündete, Chewbacca sein zu wollen. Dazu brauche er eine Fellhose und einen Patronengurt. Von den meisten Kindern wurde er auch erkannt. (Wobei es auch Kinder gab, die die kleine Katze für Darth Vader hielten, nur weil sie mal kurz ein Laserschwert halten sollte.) Alle, die keinen küchenfertigen Yeti zu Hause haben, finden in der Januar-burda 2013 die gesamte StarWars-Kollektion zum Nachnähen. Was eine Hose angeht, nunja, ein bisschen warm vielleicht. Ich mache lieber Stulpen mit Korsettschnürung, die durchaus noch etwas Feinjustierung vertragen hätten, wenn, ja wenn ich nicht erst in der Nacht vor dem Fasching endlich angefangen hätte. 
 
Aber grundsätzlich war die Idee gut, mit der Lochzange Löcher ins Fell zu machen und Schnüre durchzuziehen. Aus dem dicken Filz von den Katzenohren sollten die Chewbaccafüße noch unbedingt Krallen bekommen wie schon beim Yeti, wird gemacht. Das beste war jedoch unsere Actimel (und Generika)-Orgie, denn die leeren Fläschchen wurden zu einem 1a-Patronengurt. Noch besser sah der Gurt mit eigens zu diesem Zweck angeschafften und geleerten Yakult-Flaschen aus, weil die kleiner sind, aber das Zeug ist ja so teuer und dermaßen süß, dass ich es nicht orgientauglich finde. Jede Flasche wurde zweimal durchbohrt (dicker heißer Nagel [Zange!] - also zweimal rein und auf der anderen Seite raus), zwei Lederschnüre parallel durchziehen (Motorradläden verkaufen schöne lange Lederschnüre) und wenn das Kind genügend Flaschen aufgefädelt hat, kann es sich das Ding wie eine Schärpe umhängen. Dass man die Beine auf dem Bild nicht sieht, liegt daran, dass die Stulpen dauernd gerutscht sind und er sie da schon entnervt ausgezogen hatte. Sie hätten einfach enger sein sollen. Die Mütze gab's fertig von nici.

Das große Kind macht Bikini-Fasching am anderen Ende der Welt.


Ich selber hatte zunächst mal einen klassischen Bürohengst, bevor ich mich in einen fotografierenden Cowboy verwandeln konnte. Yieha.

Wunderschöne Kostüme mit Nähanleitung und eine gute Investition, wenn man kleinere Kinder hat, die noch ein paar Jahre Kostüme brauchen, ist übrigens das Buch Feen, Drachen, Könige (Bassermann)

Sonntag, 19. Februar 2012

Von Yetis und Yedis

Wir haben das Spiel schon im vergangenen Jahr gespielt, als ich einen oder zwei bunte Clownsstoffe gekauft hatte. Eine Woche vorm Fasching erklärte das Kind, kein Clown sein zu wollen. In diesem Jahr hatten wir noch einen Clownshut, diverses Schminkzeug und eine Hawai-Blumenkette für den Clown gekauft und waren unterwegs zu dem Geburtstag, für den es das Schnee-Perl-Huhn und das Eisbärenkissen gab, als das Kind in der Straßenbahn verkündet, ein YETI sein zu wollen. Yeti?? Die Freundin der Freundin, die eben noch ein bißchen im Flur rumstand, kommentierte meine Entrüstung mit einem saloppen: wenn du so bist wie die Freundin, sollte dich das doch nicht stören, dann hast du doch eh noch nix am Kostüm gemacht. Stümmt. Hmpf.

Ich biete dem Kind einen braunen Kuschelstoff an. Kind: Aber Yetis sind doch weiß!  MM: Aber ich hab nun mal braunen Stoff. Kind, etwas resigniert: Dann bin ich eben ein schmutziger Yeti.

Dafür gabs bei Kaufhof am Ostbahnhof dann ein langzotteliges Fell, das wehte schon beim Vorbeigehen so verführerisch :) Das große Kind nach dem Griff in die Tüte: DAS LEBT JA! Davon will ich Handschuhe. Heute noch. Na ja, das mit der Kinderstube und dem guten Ton üben wir noch. Wir müssen uns damit ein wenig ranhalten, sie ist schon eine Weile erwachsen.

Wie macht man nun einen Yeti? Ich dachte, eine Tunika und Beinstulpen. Mütze mit Ohren wäre auch gut gewesen, aber dazu war es zu spät. Zum Glück hatte ich mich bei der Größe des Kindes verschätzt und die Tunika zu groß geschneidert, so war sie ein seeehr yetiger Yeti. Aus dickem Filz habe ich noch Krallen für Füße und Hände geschnitten und an die Ärmel bzw. an die Stulpen genäht.

Einziger Nachteil: In Berlin ist Fasching eine Indoor-Veranstaltung und ein echter Yeti hat's gern etwas kühler ...
Die Nähte sind, wo es ging, rechts auf links verarbeitet; rechts auf rechts ging nicht, weil die Rückseite vom Fell eine wildlederartige Strukur hat und die Nahtzugaben pieken würden. Die Seiten- und Ärmelnähte haben die Nahtzugabe außen, sind also links auf links genäht.Versäubern muss man nichts, damit sie den Kopf durch bekommt, gibt es vorn in der Mitte einen einfachen Einschnitt entlang der Mittellinie, das Ende des Einschnitts habe ich aber vorsichtshalber mit einem Lederdreieick gesichtert, damit nichts weiter reißt.

Extra-Zugabe waren der Stockmann als Kuscheltier, inspiriert vom Grüffalo-Kind und kleine Ästchen in der "Schneeball"-Kette. In den Haaren hat sie Wattebällchen.



Am allerbesten hat mir bei der Faschingsdeko der Saloon gefallen, mit den davor angebundenen Pferden ;))))


 

Donnerstag, 17. März 2011

Engelmacher

Einfacher war die Sache für die Prinzessin, die plötzlich nicht mehr Clown sein wollte, sondern Engel.

Tilda-Flügel aus der Winterwelt, weißes Sommerflatterkleid, weiße Leggings, goldenes Stirnband als Heiligenschein, fertig der Engel. Im Tildabuch las sich das so: Nehmen Sie einen fertigen Heiligenschein ... Ich bin ein visueller Typ, ich hab so gelacht bei der Vorstellung, an den Schrank zu gehen und einen meiner Heiligenscheine aus dem üppigen Vorrat zu nehmen.

gar nicht faul

In letzter Zeit war so viel zu nähen, dass ich mit dem Schreiben nicht hinterher gekommen bin. Nun aber schnell!

Womit anfangen? Vielleicht mit dem Fasching. Der Sohn wollte zunächst Koch sein, weil er Papas Kochmütze so cool findet. Und Mama soll bitte die Karos für die Kochhose selber nähen - aha. Dann fiel ihm ein: Pirat!, das sind nämlich alle Jungs in der Klasse (und die Sache mit den Alphatieren scheint noch nicht ganz ausgestanden zu sein, da ist Mainstream angesagt). "Pirat warst du doch letztes Jahr schon", rümpfen die durch solche Dopplungen in ihrer Kreativität eingeschränkte Mutter und der verantwortliche Vater die Nasen. Der Sohn ist ungerührt.  Und dann brauch ich eine Pistole und einen Säbel! Ahh, jetzt verstehe ich. Der Sohn wittert eine Chance, in diesem Keine-Waffen!-Haushalt doch nocht  legal zu einer Pistole zu kommen. Ich sage: Hör mal, gehst du als Koch, wenn du eine Pistole bekommst? Jeder ordentliche Koch muss sich schließlich seine Möhren schießen ... Der Sohn grinst. Und der Vater vereint mal wieder alles mit allem und spricht weise: Wie wäre es denn, wenn du Koch auf einem Piratenschiff wärst? Das Kind strahlt. Die Mutter auch: Und dann stecken wir dir ein gerupftes Gummihuhn (so eins aus dem Hundespielzeugladen) in den Gürtel. Große Schwester: und malen dir die Hände mit roter Farbe an, die wischst du dann mal eben an deiner Kochschürze ab.

Die Sache mit den mamagenähten Karos ist vergessen, rot-schwarz-gestreift soll die neue Hose sein. Gips aba nich. Wir kaufen ein Mädchenpiratenkostüm mit Rock, das Hemd ist superklasse, der Rock wird aufgetrennt und zusammen mit schwarzer Faschingsseide vom vorigen Jahr zu einer Wickelhose verarbeitet (Schnitt die Kinderburda vom letzten Jahr, ich fand, die hintere Hose müsste am Pops etwas höher sein).

Noch ein Piratenaufnäher auf die Kochmütze und eigentlich fertig.


Fische könnten die auch essen, also Fische genäht und ich denke, wie die Kommentare wohl aussehen werden, etwa so: Also Fische, die ne Rückenflosse haben, brauchen auch eine am Bauch oder so in der Art, aber dann fällt mir ein Stein vom Herzen, denn hier wird ja nicht wirklich dolle kommentiert. Die Augen sind aus solchen Dingern, mit denen man Wäscheetiketten ohne annähen befestigen kann.


Und da das noch gefährlicher werden musste, kam auch noch das Halloween-Kostüm vom vorigen Jahr zu Ehren, das ihm seine große Schwester mit dem anatomischen Zeichenbuch daneben "auf den Leib geschneidert" hat:

Das hatte den Vorteil, dass der Sohn, als der Oberalpha-Faschingsrambo erklärte, ihn um die Ecke bringen zu wollen, cool die Schultern zuckte und meinte: Mir doch egal, ich bin ja schon tot.

Betamännchen mussten schon immer fitter im Kopf sein, ich glaub, das wird was :))